TEX in Stichworten

Willemers Informatik-Ecke



2017-06-24
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TeX ist eine Textverarbeitung der besonderen Art. Der Text wird in einem ASCII-Editor in einer Textbeschreibungssprache erfaßt. Die verwendeten Kommandos beginnen meist mit dem Backslash und gelten oft für einen Bereich, den man in geschweiften Klammern eingrenzt. Dadurch wirkt der Quelltext etwas kryptisch. Im Anschluß wird der Text übersetzt, durch einen Viewer betrachtet und ggfs. gedruckt. Während die normale Textverarbeitung treu das tut, was der Anwender ihr sagt, verwendet TeX Algorithmen, die den Text so gestalten, wie es ein Setzer täte.

Der Vorteil dieses Verfahrens liegt vor Allem in der hohen Qualität und der Ästhetik des Ergebnisses. Vor allem, wer mathematische Gleichungen setzen muß, sollte sich TeX ansehen. Aber auch die Schwäche der gängigen Textverarbeitungen bei der Bearbeitung großer Texte und die Verfügbarkeit und Portabilität der Quelltexte über alle Plattformen ist ein Argument für die Verwendung von TeX.

Der Dokumentrahmen

Der eigentliche Text wird durch \begin{document} eingeleitet und mit \end{document} abgeschlossen.
\documentclass[twoside,a4paper]{article}
\usepackage{german} 
\usepackage[latin1]{inputenc}

\begin{document}

\end{document}
Ganz zu Anfang wird durch die Dokumentklasse festgelegt, daß es sich um einen Artikel handelt, der zweiseitig ist, also Vorder- und Rückseite unterschiedlich behandelt.

Die Angabe in den rechteckigen Klammern ist die Option. Wird nur einseitig gedruckt, verwendet man oneside. Auch die Papiergröße wird hier festgelegt. Es gibt a4paper, a5paper, b5paper, letterpaper und legalpaper.

In den geschweiften Klammern wird die Klasse des Textes festgelegt. Die häufigsten sind book, article, report und letter.

Die beiden Zeilen \usepackage sind nur für deutsche Benutzer interessant. Das Package german sorgt für einige Vorgaben, damit deutsche Besonderheiten berücksichtigt werden. Beispielsweise die vereinfachte Eingabe von Umlauten. Das Paket inputenc definiert hier, dass auch Sonderzeichen vom Zeichensatz latin1 verarbeitet werden. In älteren TeX-Versionen findet sich statt documentclass und usepackage die Form documentstyle:

\documentstyle[german,twoside]{article}

Die Seitengröße

TEX geht recht großzügig mit dem Papier um und lässt viel Rand. Dadurch wird der Text besser lesbar. Die Position des Textes kann durch Parameter eingestellt werden. Beispiel:
\oddsidemargin=0cm \evensidemargin=0cm
\topmargin=0cm
\textwidth=16cm \textheight=20cm
XXXsidemargin gibt an, wieviel Platz zum Heftrand gelassen werden soll. topmargin bestimmt die Position des Textes von oben. Die Parameter textwidth und textheight bestimmen die Grösse des zu bedruckenden Bereichs.

Der Titel

Hier kann Titel, Autor und ähnliches festgelegt werden.
\title{Ein paar Worte zu \TeX}
\author{Arnold Willemer}
\date{13.11.1999}
...
\maketitle
Erst maketitle erzeugt den Titel an der angegebenen Stelle. Entsprechend muß dieser Befehl hinter begin{document} erscheinen.

Wird \date weggelassen, erscheint das Datum des Ausdrucks.

Gliederung

Die Überschriften werden definiert:
\chapter
Kapitel. Gibt es nicht im Artikel, sondern nur bei Büchern.
\section
Abschnitt. Ist die oberste Hierarchie bei Artikeln.
\subsection
Unterabschnitt.
TeX vergibt automatisch die Kapitelnummern und setzt die Schriften in der korrekten Größe. Auch die Abstände zu den umgebenenden Texten und die Umbrüche bleiben unbeeinflußbar.

Wo der Befehl \tableofcontents auftaucht, erstellt TeX ein vollständiges Inhaltsverzeichnis inklusive Seitenangaben und Hierarchie.

Fußnoten

Die Fußnoten\footnote{Dies steht am unteren Rand der Seite} werden wie hier einfach in den Text geschrieben und werden von TeX an die richtige Stelle geschoben. Auch die Numerierung übernimmt TeX.

Tabellen

\begin{tabular}{|l|r|}
\hline
Links & Rechts\\
\hline
\hline
erste Zeile & kommt der gut?\\
2 & pst\\
\hline
\end{tabular}
In der geschweiften Klammer hinter \begin{tabular} wird die Spaltenstruktur der Tabelle festgelegt. Jedes l bedeutet eine linksbündige, jedes r eine rechtsbündige und jedes c eine zentrierte Spalte. Die senkrechten Striche dazwischen stehen für Trennlinien, die optional sind.

Die Zeilen enden mit einem doppelten Backslash (\\). Ein Tabulator wird durch ein kaufmännisches Und (&) symbolisiert. Eine waagerechte Trennlinie wird durch den Befehl \hline erreicht.

Aufzählungen

\begin{itemize}
\item ein Gesichtspunkt
\item noch eine Sommersprosse
\end{itemize}

\begin{description}
\item[Hund] ein Haustier zur Steigerung des Egos
\item[Katze] ein Haustier zur Ersatzbefriedigung
\end{description}

\begin{enumerate}
\item erster Schritt
\item zweiter Schritt
\item Abschlu"s
\end{enumerate}
Itemize liefert eine Liste, in der jedem Eintrag ein Punkt vorangestellt wird. In der Description wird jedem Eintrag der Inhalt der eckigen Klammern vorangestellt. Enumerate liefert eine durchnummerierte Liste.

Deutsche Umlaute und Sonderzeichen

Die deutschen Umlaute werden bei einem deutschem Package einfach durch Voranstellen des Anführungszeichen erreicht.
"Osterliche Gr"u"se 
Die meisten Sonderzeichen, die in Anweisungen verwendet werden, können durch Voranstellen eines Backslash (\) dargestellt werden. Nur beim Backslash selbst muß $\backslash$ verwendet werden.

Will man direkt die Sonderzeichen von der Tastatur eingeben, muss man TeX sagen, welcher Zeichensatz verwendet wird. Im folgenden Beispiel wird der UNIX-Zeichensatz akzeptiert.

\documentclass[12pt,a4paper]{dinbrief}
\usepackage{german}
\usepackage[latin1]{inputenc}
Übrigens ist dinbrief eine Möglichkeit, mit TeX deutsche Standardbriefe zu schreiben.
ZeichenTeX-ZeichenHTML-Zeichen
\ \textbackslash{} \
| $|$ |
_ \_ _
~ \sim{} oder \textasciitilde{} ~
{ \textbraceleft{} oder \{ {
} \textbraceright{} oder \} }
[ \textbrackleft{} oder {[} [
] \textbrackright{} oder {]} ]
$ \$ $
& \& &

Trennen

Normalerweise trennt TeX ja ganz ordentlich. Sollte er aber denn doch einmal daneben greifen, gibt es die Möglichkeit, Trennungen explizit anzugeben. Man kann im Text in einem Wort direkt durch die Zeichenfolge \- angeben, wo TeX Trennstellen erlaubt sind. Das Wort Ur\-instinkt würde dann nur an eben dieser und nicht an der anderen denkbaren, aber nicht wünschenswerten Stelle getrennt. Soll die Trennregel nur einmal pro Text definiert werden, hilft der Befehl \hyphenation{}. Beispiel:
\hyphenation{Ur-instinkt}
Worte mit Bindestrich werden von TeX normalerweise ab diesem nicht mehr getrennt, insbesondere nicht am Bindestrich. Man kann das ändern, indem statt dem Bindestrich ein Anführungszeichen gefolgt von einem Gleichheitszeichen verwendet wird. Beispielsweise im Wort UNIX"=Workstation.

Absätze nebeneinander stellen

Minipages ermöglichen es, Textboxen nebeneinander zu stellen. Wichtig ist, dass zwischen den Miniboxen keine Leerzeile ist, weil sonst die Zeile, in der die Boxen nebeneinander stehen sollen vorher beendet wurde.
\begin{minipage}[t]{.6\linewidth}
blablabla
\end{minipage}
\begin{minipage}[t]{.3\linewidth}
blablabla
\end{minipage}
Dies liefert:

blablablablablabla

Der Parameter in den rechteckigen Klammern ist ein t, wenn die Boxen oben ausgerichtet werden sollen und ein b für unten. Wird nichts angegeben, werden die Boxen vertikal zentriert.

Anschließend wird die Breite der Box festgelegt. Die Angaben können in cm oder in pt angegeben werden. Man kann aber auch \linewidth für die Zeilenbreite angeben und diese durch Faktoren prozentual bestimmen. Im Beispiel oben nimmt die erste Box 60 Prozent und die zweite 30 Prozent der Zeile ein.

Wenn es keine begin-end-Umgebung sein darf, kann auch der Befehl \parbox verwendet werden.

\parbox{5cm}{blablabla}
\parbox{3cm}{blablabla}

Absätze einrahmen

Der Befehl \fbox umrahmt den Text in geschweiften Klammern. Damit der Text nicht rechts aus dem Rand läuft, muss er durch eine \parbox eingerahmt werden. Deren erster Parameter ist die Breite, die mit \linewidth auf die Breite der Zeile gesetzt werden kann.
\fbox{\parbox{8cm}{
blablabla
}}
Wird dies durch ein weiteres \fbox eingerahmt, erhält man einen doppelten Rahmen.

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